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Nachhaltige Lacke für die Baubranche?

Ein Leitfaden durch den Nachhaltigkeits-Dschungel von Dr. Albert Rössler, ADLER-Werk Lackfabrik


22.08.2012

„Nachhaltiges Bauen“ ist in aller Munde und allenthalben gilt es Zertifikate nachzuweisen. Der Überblick über die verschiedenen Umweltzeichen und Nachhaltigkeits-Zertifikate ist für die Verarbeiter äußerst schwierig. Dr. Albert Rössler beleuchtet den Nachhaltigkeits-Dschungel und erklärt, welche Rolle Farben und Lacke beim nachhaltigen Bauen spielen.

UMWELTZEICHEN UND NACHHALTIGKEIT

Schon lange sind die Konsumenten an produktbezogenen Umweltzeichen gewöhnt, wie den Blauen Engel, das Österreichische Umweltzeichen, das Europäischen Ecolabel, oder den aus dem Fußbodenbereich bekannten GEV Emicode. Die meisten dieser freiwilligen Ecolabels existieren seit den 1990er-Jahren. Sie werden nach ISO 14024 als Typ1 – Umweltzeichen benannt. In Deutschland konzentrieren sich die Konsumenten auf den Blauen Engel, während in Österreich viele unterschiedliche Zeichen eine Rolle spielen. Im Bereich Farben und Lacke tritt aber vermehrt das Österreichischen Umweltzeichen in den Vordergrund. Relevant sind in diesem Zusammenhang die Richtlinien UZ 01 (Lacke, Lasuren und Holzversiegelungslacke), UZ 06 (Holzmöbel), UZ 07 (Holz und Holzwerkstoffe), UZ 17 (Wandfarben) und UZ 56 (Fußbodenbeläge). Auch Web-Plattformen wie Baubook bieten heute ökologische Kriterien zur Produktbewertung an. In Vorarlberg und Teilen Bayerns ist diese Datenbank oft die Voraussetzung für Ausschreibungen im öffentlichen Bereich. Sehr häufig basieren Ausschreibungen aber auch auf den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens.

 

Neben den gewohnten Umweltzeichen regt sich in den letzten Jahren aber noch ein anderes Thema: Die Nachhaltigkeit. Der Begriff kommt aus der Forstwirtschaft und bedeutet ursprünglich „vom Ertrag leben, ohne Substanz anzutasten“. Einen Wald also zu bewirtschaften, indem nur so viele Bäume gefällt werden, wie nachwachsen. Mittlerweile hat der Begriff Nachhaltigkeit mehrere Ebenen hinzugewonnen. Will man nachhaltig bauen, gilt es alle Aspekte zu beachten: von Ökonomie über Ökologie, Soziokulturelles bis hin zur technischen Funktionalität. Das heißt, neben möglichst geringem Energie-, Ressourcen und Flächenverbrauch, spielen auch die Gesamtkosten, Denkmalpflege, Behaglichkeit, Barrierefreiheit, Design oder Umnutzungsfähigkeit eine Rolle. Auch soziale Fragen wie Kinderarbeit, Gleichberechtigung, Berufsunfälle oder Streiks sind zu berücksichtigen.

PRODUKTBEZOGENE ZERTIFIZIERUNG

Gerade für Bauprodukte wird die Nachhaltigkeit künftig ein Schlüsselfaktor des Erfolgs sein; es existieren bereits die unterschiedlichsten Bewertungssysteme dafür. Auch in der aktuellen Bauprodukte-Verordnung der EU steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Das neue Kriterium Nr. 7, Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen, besagt, dass Baustoffe und Bauteile, die fest mit dem Gebäude verbunden sind (also keine Möbel), recycelbar sein müssen; und dass für das Bauwerk umweltfreundliche Rohstoffe und Sekundärbaustoffe zu verwenden sind. Mit dem sogenannten GPP – Green Public Procurement hat die Politik zudem ein Maßnahmenpaket erstellt, das im öffentlichen Bereich Ausschreibungen nach ökologischen Kriterien forciert. Wichtig für uns: es handelt sich dabei immer um Anforderungen an das Bauprodukt – beispielsweise also das Holzfenster! Der Lack selbst ist momentan noch kein Bauprodukt.

 

Wie immer hängen diese Dinge mit Nachweisen und Zertifikaten zusammen. Oft genügen die bereits erwähnten Typ 1 – Zertifikate. Immer häufiger verlangt die EU-Bauprodukten-Verordnung aber Produktinformationen über den gesamten Produktlebenszyklus „von der Wiege bis zur Bahre“: Herstellungsphase, Baustadium, Nutzungsstadium, Nachnutzung, sowie Recycling. Dazu gehören sämtliche Umweltwirkungen, also Rohstoff- und Energieverbrauch, Abwasser, Abluft und Abfall während der Produktion, der Nutzungsphase, Instandhaltung, Renovierung, Rückbau und der Entsorgung des Produktes; außerdem: die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse wie Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Auch der jeweilige Transport ist zu berücksichtigen. Wichtig daher für uns: Es gibt keinen an sich nachhaltigen Lack. Der Lack kann immer nur in Verbindung mit seiner Anwendung bezgl. Nachhaltigkeit beurteilt werden.

 

Um diese Umweltwirkungen zu ermitteln, wird eine EPD (Enviromental Product Declaration) erstellt. Die EPD ist das so genannte Ecolabel-Typ 3 nach ISO 14025, das für öffentliche Ausschreibungen ausreicht. Es bezieht sich auf die benötigte Energie, das Treibhaus-Potenzial, Ozonabbau-Potenzial, Versäuerungs-Potenzial, Überdüngungs-Potenzial und Sommersmog-Potenzial eines Produktes.

 Vor der EPD ist das jeweilige Produkt einer Kategorie zuzuordnen, es wird in einer PCR (Product Category Rule) erfasst. Sie definiert die Randbedingungen und Regeln für die EPD.

 

All das hört sich kompliziert an? Das ist es auch. Deshalb haben Unternehmen die Möglichkeit, keine produktspezifischen oder unternehmensspezifischen EPDs erstellen zu müssen. Branchenverbände bieten Branchen-EPDs an. Die Daten basieren dann auf dem üblichen Branchenmix, was für eine Bewertung von typischen Produkten der Branche genügt. Auch wenn der Lack mengenmäßig in Bezug auf ein gesamtes Bauprodukt oft vernachlässigbar ist, stellt sich immer wieder heraus, dass die Schutzwirkung auf dessen Lebenszyklus erheblichen Einfluss hat. High-Tech-Beschichtungen mit langer Haltbarkeit verzögern die Renovierungszyklen, was sich sehr positiv auf die Ökobilanz auswirkt. Lacke und Farben beeinflussen zudem das Brandverhalten und die Innenraumluft positiv. All diese Themen interessieren die Baubranche zunehmend, weil die CE-Kennzeichnung immer wichtiger wird.

GEBÄUDEBEZOGENE ZERTIFIZIERUNG

Der aktuell letzte Schritt im Zusammenhang mit Nachhaltigkeits-Zertifikaten heißt Gebäude-Zertifizierung. Da Gebäude einen sehr langen Lebenszyklus haben, kann erst die Betrachtung des gesamten Zyklusses Aufschluss über die Qualität eines Gebäudes geben. Es gilt, alle Lebensphasen des Bauwerkes auf die unterschiedlichen Aspekte der Nachhaltigkeit zu prüfen. Dabei ist die voraussichtliche Lebens- und Nutzungsdauer des Gebäudes, der Bauteile und der Bauteil-Schichten besonders wichtig. Die bisher einzeln betrachteten Bauprodukte tragen nur indirekt, durch Punkte im jeweiligen Bewertungssystem, dazu bei. Die Daten dafür kommen beispielsweise aus einer EPD. Letztendlich entscheidet aber die Kombination aus beidem: die Bewertung der Baumaterialien und die Bewertung des Gebäudebetriebs. 

Einige international übliche Standards zur Gebäudezertifizierung im Überblick:

  • BREEAM, England, http://www.breeam.org, www.bre.co.uk: wurde 1990 von BRE (Building Research Establishment Ltd.) gegründet und bedeutet BRE Environmental Assessment Method. BREEAM bewertet ausschließlich ökologische Kriterien. Die Bewertung orientiert sich am System des „Benchmarking“, bei dem die derzeit besten Produkte und Verfahren die maximale Punktzahl erreichen. Je nach Punktzahl wird das Gebäude mit „zertifiziert“, „gut“, „sehr gut“, „exzellent“ oder „herausragend“ bewertet. BREEAM bewertet Gebäude anteilig nach den folgenden Kategorien: Management (12%), Gesundheit und Komfort (15%), Energie (19%), Transport (8%), Wasser (6%), Materialien (12,5%), Abfall (7,5%), Grundstücksökologie (10%), Verschmutzung (10%) und Zusatzkriterien für außergewöhnliche Leistungen (10 %). Der Schwerpunkt von BREEAM liegt vor allem auf Energie und Umwelt. Es werden aber auch die Lebenszykluskosten (Kategorie Management) sowie die Ökobilanzierung (Kategorie Materialien) mit dem Green Guide to Specification berücksichtigt.

  • BREEAM-Bewertungen gibt es für verschiedene Gebäudetypen: Bürogebäude, Handelsbauten, Bildungsbauten, Industriegebäude, Klinikgebäude, Gefängnisse, Gerichtsgebäude, Wohngebäude, Stadtplanung/Quartiersentwicklung. Neben den BREEAM-Standardsystemen gibt es noch BREEAM Other Buildings (UK) und BREEAM International Bespoke (außerhalb UK) für die Bewertung von Gebäuden, die nicht unter die Standardkategorien fallen (z. B. Hotels oder Sportzentren ) bzw. für die Zertifizierung jedes beliebigen Gebäudes weltweit.

  • LEED (Leadership in Energy & Environmental Design), USA, www.usgbc.org, www.gbci.org: LEED wurde 2000 vom US-amerikanischen GBC (Green Building Council) entwickelt und baut auf dem BREEAM System auf. LEED umfasst und gewichtet die folgenden Nachhaltigkeitskategorien: Nachhaltige Grundstücke (25%), Energie und Atmosphäre (35%), Wassereffizienz (10%), Materialien und Ressourcen (14%), Innenraumklima (15%), Innovations- und Designprozess (6%) und Regionale Schwerpunkte (4%). Wie am Namen erkennbar, liegen die Schwerpunkte von LEED hauptsächlich auf Energie und Umwelt. LEED deckt bei der Planung und Realisierung von Neubauten folgende Bereiche ab: Gewerbliche Innenausstattung, Rohbau und Gebäudehülle (Core & Shell), Schulen, Einzelhandelsbauten, Bauten für das Gesundheitswesen, Wohnhäuser, Nachbarschaftsentwicklung. Bei Bestandsbauten werden Betrieb und Unterhalt bewertet. 

  • LEED spielt derzeit hauptsächlich in den USA eine Rolle, taucht aber verstärkt auf dem internationalen Markt auf. Auch in der Schweiz gibt es bereits LEED-registrierte Gebäude. Adaptiert wurde LEED u. a. für Brasilien, Kanada, Indien, Mexiko, die Vereinigten Arabischen Emirate und Italien. Das LEED-Zertifikat ist derzeit das System mit der stärksten internationalen Bedeutung. Je nach Punktezahl gibt es ein Zertifikat in „Silber“, „Gold“ oder „Platin“.

  • BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen), www.nachaltigesbauen.de: Weil die verfügbaren internationalen Bewertungssysteme sich nicht für eine objektive und stärker quantitative Bewertung eignen, hat das deutsche Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung eine eigene Bewertung für Nachhaltigkeit entwickelt und für alle öffentlichen Gebäude eingeführt. Sie betrachtet ökologische (folgen aus der EPD), ökonomische, soziokulturelle und technische Qualitäten, den Standort und die Prozessqualität über den gesamten Lebenszyklus. Insgesamt sind es mehr als 40 Kriterien – von Lebenszykluskosten, Treibhauspotenzial bis hin zu Raumakustik und Gestaltung. Neben der EPD spielen in Sachen Produktqualitäten etwa auch Barrierefreiheit, Schallschutz, Lüftung, Feuerwiderstand und Einbruchschutz eine Rolle. Je nach Bewertung gibt es eine Auszeichnung in „Bronze“, „Silber“ oder „Gold“.

  • DGNB (Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen, www.dgnb.de): Das Zertifikat der DGNB (Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, www.dgnb.de) beruht auf einer gemeinsamen Grundlage mit dem BNB und wurde 2008 eingeführt. Allerdings hat das DGNB noch weitere Kriterien in das Bewertungssystem mitaufgenommen, wie beispielsweise die Widerstandsfähigkeit gegen Hagel, Sturm und Hochwasser. Die Auszeichnung wird ausschließlich für Büro- und Verwaltungsgebäude vergeben. Diese Zusatzkriterien erfordern zurzeit weitere Nachweise im Zuge der Beschreibung der Produktqualitäten. Je nach Erfüllungsgrad wird eine Auszeichnung/Medaille in „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ vergeben.

  • ÖGNB: Die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ist eine offizielle Partnerorganisation der österreichischen Klimaschutzinitiative klima:aktiv. Die ÖGNB garantiert, ihre Bewertungssysteme auch künftig mit jenen von klima:aktiv kompatibel zu halten. Wer die Mindestkriterien von klima:aktiv einhält, bekommt ohne Mehrkosten und ohne zusätzliche Nachweise parallel zur Gebäudebewertung der ÖGNB auch die von klima:aktiv.

  • MinErgie (http://www.minergie.ch): Der Verein MinErgie wurde 1998 gegründet. Im Jahr 2001 führte der Verein als Ergänzung zu MinErgie einen Standard für Passivhäuser, MinErgie-P, ein. Im März 2011 lancierte er den Gebäudestandard MinErgie-A. Die Zertifizierung beruht auf der Bestimmung des Gesamtwärmehaushaltes eines Gebäudes. Auch soll der Energieeintrag vorwiegend aus erneuerbaren Energien kommen. Die Zusatzforderungen richten sich je nach SIA-Gebäudekategorie und betreffen die Energieeffizienz elektrischer Geräte, die Beleuchtung, die Effizienz der Lüftung, die Abwärmenutzung und erneuerbare Energie für die Warmwasseraufbereitung. Die verschiedenen MinErgie-Standards sind in erster Linie Schweizer Labels. MinErgie und MinErgie-P werden mittlerweile aber auch in Teilen Frankreichs eingesetzt. 2006 folgte die Einführung von MinErgie-ECO, einem umfassenderen Label, das auch Aspekte der Baubiologie und der Ressourceneffizienz berücksichtigt. Neben einer günstigen Energiebilanz des Bauwerkes wird auch die ökologische Bauweise beurteilt. Das MinergieEco-Zertifikat gibt es nur als Zusatz zum Minergie-Zertifikat.

Beschichtungen von ADLER veredeln die Bauprodukte und tragen so indirekt zur Nachhaltigkeit und möglichen Zertifizierung bei. Weil aber so viele Komponenten am Bau eine Rolle spielen, ist der Einfluss der Farben und Lacke gering. Das ADLER-Werk setzt keinerlei giftige oder krebserzeugende (karzinogene), erbgutverändernde (mutagene) und fortpflanzungsgefährdende (reproduktionstoxische) Rohstoffe ein. Damit erfüllen ADLER-Lacke wichtige Kriterien der beschriebenen Bewertungssysteme. Viele ADLER-Lacke sind so formuliert, dass sie die Anforderungen des Österreichischen Umweltzeichens, des DGNB oder etwa von LEED erfüllen. Dank der Beschichtungen ist Holz besser als Bauprodukt geeignet – weil es ein nachwachsender Rohstoff ist, beeinflusst auch das die Gesamtbeurteilung sehr positiv. So tragen die Farben und Lacke von ADLER zur Gebäudezertifizierung bei – denn die Zukunft im Bauwesen heißt Nachhaltigkeit.

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