Klangjuwel in neuem Glanz
Orgeln zählen nicht nur zu den größten, sondern auch zu den technisch komplexesten Musikinstrumenten. Zehntausende Pfeifen, Register, Ventile, Klappen, Windkanäle, Tasten und Pedale müssen zu einem präzise abgestimmten System zusammenwirken, um die enorme Vielfalt an Klangfarben zu erzeugen. Die dafür nötige Expertise ist im österreichischen Traditionsunternehmen Rieger Orgelbau in Schwarzach (Vorarlberg) beheimatet. Das 60-köpfige Team realisiert Neubau- und Restaurierungsprojekte in aller Welt: Von Konzertsälen in Helsinki (Finnland) oder Peking (China) bis zur Erneuerung der „Riesenorgel“ im Wiener Stephansdom. Dabei deckt Rieger sämtliche Arbeitsschritte selbst ab, den Bau der Metallpfeifen ebenso wie Elektrik und Elektronik sowie die Konstruktion des Gehäuses. „Wir sind Kunsthandwerker in einem ganz wörtlichen Sinn. Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld zwischen musikalischer, architektonischer und bildnerischer Gestaltung einerseits und der handwerklichen Umsetzung andererseits“, erklärt Wendelin Eberle, der das Unternehmen seit 2003 führt.
Vom Puzzlestück zum Meisterwerk
Ein außergewöhnliches Projekt hat Rieger kürzlich in Schwaz in Tirol realisiert: Zwischen 1897 und 1910 wurde die Orgel der Schwazer Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt zur größten Kirchenorgel Tirols ausgebaut. Von der damaligen Pracht war zuletzt allerdings nur mehr wenig übrig: Mehrere Umbauten hatten die romantische Klangfülle beschnitten, zudem war die Technik in die Jahre gekommen. Im Zuge einer Generalsanierung sollte die Orgel wieder auf den Originalzustand des Jahres 1910 zurückgeführt werden – eine echte Herausforderung, denn weder existierten Pläne aus der damaligen Zeit, noch waren spätere Umbauten dokumentiert worden. „Das Projekt war wie ein Puzzle mit 10.000 Teilen, aber ohne Vorlage“, erinnert sich Wendelin Eberle. „Also mussten wir in die Welt der damaligen Orgelbauer eintauchen, um die Restaurierungsarbeiten in ihrem Geist auszuführen.“
Hightech trifft Historie
Wo möglich, wurden die Originalmaterialien des historischen Instruments verwendet. Beschädigte Orgelpfeifen wurden wiederhergestellt, fehlende Pfeifen nach historischem Vorbild und mit authentischen Materialien neu gefertigt. Auch das barocke Rückpositiv, das seit mehr als 100 Jahren verstummt war, wurde wieder zum Klingen gebracht. Komplett neu ist dagegen die Orgeltechnik. „Die Orgel von 1910 verfügte bereits über eine elektrische Ton- und Registersteuerung, daher konnten wir sie gut auf eine digitale Steuerung umrüsten“, so Eberle. Auch der Spieltisch mit 4 Manualen und einem Pedalwerk ist neu. „Er sollte bewusst als zeitgenössische Ergänzung sichtbar sein, sich aber dennoch stimmig in das historische Gesamtbild einfügen“, sagt Eberle. Dafür sorgt nicht zuletzt die Oberflächenveredelung mit Produkten des Schwazer „Lokalmatadors“ ADLER: Das Nussholz wurde zuerst mit der Laubholzbeize Arova Classic gebeizt und anschließend mit Aduro Legnopur decklackiert. Auch in anderen Bereichen der Orgel sorgt der robuste 2K-Klarlack für verlässlichen und dauerhaften Schutz.
Von der Orgelempore ins ADLER-Werk
Nicht nur das äußere Erscheinungsbild der Orgel trägt die Handschrift von ADLER. Die Restaurierung wurde zu einem Gutteil durch private Spenden finanziert, wobei ADLER-Seniorchef Günther Berghofer die Kosten für den Spieltisch übernahm. Und noch eine weitere Spur führt von der Orgelempore ins ADLER-Werk, genauer gesagt: an den Schreibtisch von Veronika Rafelsberger, Vertriebs-Mitarbeiterin bei ADLER und in ihrer Freizeit Organistin der Stadtpfarrkirche. Als musikalische Beraterin begleitete sie die Restaurierungsarbeiten, in die das Rieger-Team im Verlauf von 7 Jahren mehr als 23.000 Arbeitsstunden investierte. Vom Ergebnis zeigt sie sich begeistert: „Mit ihrer außergewöhnlichen Klangfülle und Vielfalt eröffnet die Orgel enorme musikalische Möglichkeiten und wird Musiker und Musikliebhaber aus ganz Europa begeistern!“
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