Hoch hinaus
Das Streben nach Höherem verbindet sie – die Studierenden, die im neuen Wohnheim im Münchner Stadtteil Schwabing Quartier finden, und die Planer des Architekturbüros hirner & riehl architekten stadtplaner bda, die mit dem derzeit wohl höchsten Holzhaus der Stadt die nachhaltige, zukunftsfähige Bauweise weiter vorantreiben.
Mehr als 150.000 Menschen studieren in München. Entsprechend knapp ist leistbarer Wohnraum. Mit einem Neubau in Schwabing-West tragen hirner & riehl architekten dazu bei, die Wohnungsnot zumindest ein wenig zu lindern. Für das Studierendenwerk München haben sie einen fünf- und einen achtgeschossigen Baukörper geplant, die durch einen einstöckigen Flachbau verbunden sind. Außer dem Sockelgeschoss und den beiden spiegelverkehrt nebeneinander angelegten Fluchttreppenhäusern wurden sämtliche Gebäudeteile aus heimischem Fichtenholz gefertigt – damit dürfte es sich nach heutigem Stand um das höchste Gebäude Münchens in Holzbauweise handeln. Ein stolzer Titel, der die Ambitionen von Martin Hirner und seinem Team unterstreicht. Das Architekturbüro ist ein Pionier in Sachen Holzbau – seit mehr als 20 Jahren entwickelt es in formaler, funktionaler und ökologischer Hinsicht nachhaltige Gebäude.
An morgen denken
„Die Zementherstellung erzeugt 8 % der globalen CO₂-Emissionen; wir Architekten müssen uns als Impulsgeber für ein schnelles Umdenken bei allen Beteiligten der Bauwirtschaft und vor allem auch bei der Materialwahl einsetzen“, sagt Martin Hirner. Holz überzeugt dabei auf ganzer Linie – nicht nur durch die CO₂-Einsparung, sondern auch durch kurze Transportwege, einfache Bearbeitung, wenig und wiederverwertbaren Abfall und den möglichen Kreislaufnutzen. Mit dem Studierendenwohnheim gehen hirner & riehl architekten aber noch einen Schritt weiter: Der gesamte Bau wurde so ausgeführt, dass er über Generationen und vielleicht auch auf ganz andere Art genutzt werden kann. Um den Grundriss flexibel ändern und problemlos Trennwände entfernen zu können, spannen die Brettsperrholzdecken vom Mittelflur zur Außenwand. Heute beherbergt das Wohnheim 153 Einzelzimmer mit Küche und Bad, 30 Wohngemeinschaften, vier barrierefreie Einheiten und zehn Eltern-Kind-Apartments für 241 Studierende – morgen sind es vielleicht Lehrsäle, Kulturräume, Gewerbeflächen?
Von gestern adaptiert
Auch die Fassade ist nur eingehängt und ließe sich mit wenigen Handgriffen entfernen und durch andere Materialien ersetzen – was wohl keiner will, denn die Fichtenholz-Elemente verleihen dem Studierendenwohnheim seinen einzigartigen Look. Im Gegensatz zu vielen rein vorvergrauten Holzbauten setzen hirner & riehl zusätzlich auf dezent farbige Akzente und nehmen so Anleihe an der Schwabinger Gründerzeitbebauung. Wandfelder in Grün sowie weit auskragende Brandriegel, Fenster und seitliche Balkonverschalungen in Rot ahmen die ausgeprägten Gesimse und farbig gefassten Fensterlaibungen modern nach. Die Zimmerei Holzbau Seidel Gmbh hat die grauen Elemente mit Lignovit Lasur Naturgrau und Lignovit Platin Onyxschwarz ausgeführt, für die grünen und roten Flächen kam Lignovit Color in speziell ausgemusterten Sonderfarbtönen zum Einsatz.
Im heute leben
Die außen ebenfalls roten Holz-Alu-Fenster, gefertigt von der HAMA Alu+Holzbauwerk GmbH, sorgen mit ihren mit Aquawood Natureffekt von ADLER im natürlich hellen Farbton „London“ beschichteten Innenflächen für hochwertiges Wohngefühl. Wie überhaupt höchste Aufenthaltsqualität angestrebt wurde. Musik-, Kreativ- und Freizeiträume, ein Kochsalon und vor allem der Dachgarten auf dem Verbindungsgeschoss mit Wiese, Sonnendeck, Liegemöbeln und Hochbeeten laden zu allem ein, was das Studierendenleben schön macht – über das Lernen hinaus!
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