© Hertha Hurnaus

Dorfschule mit Campusfeeling

Eine Schule ist mehr als ein funktionaler Lernort. Über Jahre hinweg ist sie die zweite Heimat der Heranwachsenden, ein prägender Raum, der Entwicklung ermöglichen, Gemeinschaft formen und Identität stiften soll. Mit dem neuen Bildungscampus Oberwart hat das Wiener Architekturbüro Franz&Sue ein Projekt realisiert, das diesen hohen Ansprüchen in jeder Hinsicht gerecht wird.

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„Small is beautiful“? Oder „The bigger, the better“? Wenn es um die Konzeption eines Bildungsbaus geht, haben beide Ansätze ihre Für und Wider: Ein moderner Campus, der unterschiedlichste Funktionen abdeckt, Synergien schafft und einen nahtlosen Übergang zwischen den Bildungsstufen ermöglicht. Oder überschaubare Einheiten mit viel persönlichem Kontakt, Nestwärme und individueller Begleitung. Warum also nicht beides verbinden? Wie das aussehen kann, zeigt ein Projekt in der burgenländischen Kleinstadt Oberwart (Österreich): In dem offenen Wettbewerb, den die Stadtgemeinde für den neuen Bildungscampus ausschrieb, überzeugte das renommierte Wiener Architekturbüro Franz&Sue mit einem Entwurf, der das Beste aus zwei Welten zusammenführt.

Campusfeeling 

Buntes Treiben herrscht im offenen Erdgeschoß des großzügigen Gebäudes: Hier kreuzen sich die Wege der 330 Schülerinnen und Schüler vor dem Läuten der Schulglocke, hier verbringen sie ihre Mittagspause, spielen und lernen in der Nachmittagsbetreuung oder chillen in den bunten Sitznischen. Die Turnsäle und der weitläufige Außenbereich mit den Sport- und Spielanlagen sind von hier aus zu erreichen. Und wenn am Nachmittag Flöten- oder Klavierunterricht am Stundenplan steht, wechselt man einfach in die Musikschule, die hier ebenso eine neue Heimat gefunden hat wie die Proberäume der städtischen Musikkapelle.

Dorfschulatmosphäre

Über den von einer hölzernen Lamellendecke – sie wurde von der Trockenbaufirma Gleichweit gefertigt und mit Lignovit Interior UV 100 von ADLER beschichtet – überspannten Treppenaufgang, der bei Schulveranstaltungen zur Sitztribüne umfunktioniert werden kann, betritt man die beiden oberen Stockwerke mit den Unterrichtsräumen. Der Idee einer traditionellen Dorfschule folgend, sind sie in kleine, übersichtliche Einheiten gegliedert – jeweils vier Volksschulklassen unterschiedlicher Stufen bilden einen „Bildungscluster“. Die hellen, durch Glasfronten zum Innen- wie zum Außenraum durchlässigen Klassenräume sind jeweils um einen zentralen „Marktplatz“ als Kommunikations- und Begegnungszentrum gruppiert: mit Garderobe, einer kleinen Küchenzeile, Lern- und Aufenthaltsplätzen. Die räumliche Gliederung setzt sich im Farbund Materialkonzept konsequent fort. Ausgehend vom hellen Fichtenholz an Möbeln, Türen und Wänden hat das Architekturbüro für jede der sechs Einheiten eine eigene Farbwelt entwickelt und sich für die Umsetzung eng mit dem ausführenden Unternehmen Fürst Möbel abgestimmt. In unterschiedlichen Intensitäten finden sich die pastelligen Farbtöne von Petrolblau über Ziegelrot bis Salbeigrün an Fußböden, Fliesen und Vorhängen, an Türen, Wänden und Möbeln. So erhält jede der kleinen „Dorfschulen“ ihre eigene farbige Identität, die Orientierung schafft und ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt, das die Kinder durch alle Schulstufen hinweg begleitet. Während bei besonders intensiv beanspruchten Bereichen Platten zum Einsatz kamen, hat das Team von Fürst Möbel die Wandelemente, Türen sowie Teile des Mobiliars mit Arova Colora von ADLER gebeizt, sodass die natürliche Zeichnung und Haptik des Fichtenholzes erhalten bleibt. Die egalisierende Beize garantiert auch bei großflächiger Anwendung ein gleichmäßiges Oberflächenbild und hohe Farbstabilität. Für einen soliden Schutz der Oberfläche sorgt der robuste Möbellack Aduro Vento, der auch auf allen übrigen Fichten-Oberflächen zum Einsatz kam.

Haus im Haus 

Das Farb- und Materialkonzept der Bildungscluster setzt sich auch in den gemeinsamen Campus- Bereichen fort: An den Wänden und Sitznischen des Erdgeschoßes finden alle Farben zusammen und erzeugen eine bunte, lebendige Atmosphäre. Ganz naturbelassen wirkt dagegen das Fichtenholz an dem Bibliothekhäuschen im ersten Obergeschoß, dem „gemeinsamen Wohnzimmer im Herzen der Schule“, wie Franz&Sue-Projektleiter Andreas Reuter es nennt. Die Wände wurden von Möbel Fürst mit Arova Colora in einem zarten Weißton gebeizt und anschließend decklackiert. So wirkt das Fichtenholz besonders hell, gleichmäßig und beruhigend und macht das kleine „Haus im Haus“ auch optisch zu einer Ruheoase in der bunten Welt des Bildungscampus Oberwart.

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